MEG-München

MEG-München - Regionalstelle der Milton Erickson Gesellschaft für klinische Hypnose (MEG)

Über uns

Zur Geschichte der MEG-München



Wilhelm Gerl und Burkhard Peter gründeten, zusammen mit einem dritten Kollegen, 1976 das Institut für Integrierte Therapie (IIT) als Ausbildungsinstitut hauptsächlich für Gesprächspsychotherapie. Um dieses Institut bekannt zu machen, luden wir damals bekannte externe Trainer ein (z.B. Frederic Kanfer, Victor Meyer, Irmela Florin, Eugene Gendlin, Georg Bach, Linda Olsen, etc.). Unter diesen waren 1977 John Grinder und Judith DeLozier. Nach einer ersten Seminar schickten sie ihre (und Ericksons) Schüler Stephen Gilligan und Paul Carter, mit denen wir dann eine Ausbildung in Hypnotherapie am IIT organisierten.

1978 besuchten wir – zusammen mit Alida Iost-Peter – Milton Erickson in Phoenix. Damals gab es in Deutschland nur die noch von I.H. Schultz gegründete Deutsche Gesellschaft für ärztliche Hypnose und Autogenes Training, die aber keine Psychologen als Mitglieder akzeptierte. Deshalb baten wir während unseres Aufenthaltes bei ihm in Phoenix Erickson um die Erlaubnis, seinen Namen für eine neue Hypnosegesellschaft verwenden zu dürfen. So kam es noch im September 1978 in Ericksons Haus zur Gründung der Milton Erickson Gesellschaft für klinische Hypnose (MEG), die dann nach unserer Rückkehr in München auch formal vollzogen wurde – nicht ganz ohne Komplikationen, aber das ist eine andere Geschichte.

Wir gründeten in anderen Städten Deutschlands Regionalstellen der MEG und führten auch in Österreich und der Schweiz Seminare durch; so entstanden nicht nur direkt die ersten Regionalstellen der MEG in Deutschland sondern auch indirekt die MEGA in Österreich und die GHypS in der Schweiz.

1984 organisierte B. Peter hauptverantwortlich den Ersten deutschsprachigen Kongress für Ericksonsche Hypnose und Psychotherapie an der Universität München. Rückblickend kann man diesen Kongress als den Beginn der modernen Hypnotherapie in Deutschland bezeichnen: Unter den aktiven Teilnehmern waren Walter Bongartz und Albrecht Schmierer, Hansjörg Ebell und Christian Kossak, Liz Lorenz Wallacher und Manfred Prior, Dirk Revenstorf, Gunther Schmidt und Bernhard Trenkle, unter den amerikanischen Rednern Bernauer Newton, Sidney Rosen und Jeffrey Zeig – um nur einige zu nennen. Dirk Revenstorf löste B. Peter im Vorsitz der MEG ab. Bernhard Trenkle und Gunther Schmidt gründeten die Regionalstelle Heidelberg und kamen in der Vorstand der MEG.

Damals konnten wir den Aufschwung weder erhoffen noch erwarten, den die klinische Hypnose und Hypnotherapie in den deutschsprachigen Ländern in der Folgezeit erlebte bis hin zu der 2006 erfolgten indikationsspezifischen Anerkennung durch den wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie. Es folgte die Organisation weiterer Kongresse, schließlich der 15th International Congress of Hypnosis 2000 an der Universität München, wieder hauptverantwortlich von B. Peter organisiert.

Seit dem (nun leider vergriffenen) Buch von B. Peter & W. Gerl (1977) über Entspannungsverfahren sind zahlreiche Veröffentlichungen über Hypnose und Hypnotherapie erfolgt (eine Auswahl finden Sie unter Literatur).

Die 1984 gegründete Zeitschrift der MEG, Hypnose und Kognition (HyKog), wurde 2005 umbenannt in Hypnose! Zeitschrift für Hypnose und Hypnotherapie (Hypnose-ZHH), weil sie seitdem offizielles Organ von 5 deutschsprachigen Hypnosegesellschaften (DGÄHAT, DGH, DGZH, MEG, MEGA) ist. Mit einer Auflage von mehr als 5000 Exemplaren ist sie die größte wissenschaftliche Hypnosezeitschrift weltweit.

Seit 1978 beherbergte das IIT die Geschäftsstelle der MEG. Nach deren Auszug im Jahre 2000 in die Waisenhausstr. in München wurde Raum frei und Birgit Hilse, die ihre Hypnotherapieausbildung bei Walter Bongartz absolviert hatte, kam hinzu und ergänzt nun unser Team. 2012 hat sich Wilhelm Gerl sowohl aus der Münchner MEG-Regionalstelle wie auch aus dem IIT zurückgezogen. Anette Fahle hat seine Stelle in unserer Praxisgemeinschaft eingenommen und wird ab 2014 ein neues "Kinder-Curriculum" organisieren.
Auf der Jahrestagung der M.E.G. 2013 in Bad Kissingen wurde Wilhelm Gerl in einer Feier auch vom Vorstand und von der Mitgliederversammlung der M.E.G. verabschiedet. In diesem Rahmen hielt Burkhard Peter eine


Lobrede auf Wilhelm Gerl



Eigentlich, so könnte man aus dem Bild des feschen Hubschrauberpiloten in seinem Arbeits- und Therapiezimmer im IIT schließen, war Wilhelm Gerl zu Höherem berufen. Ein Glück, dass er sich dann doch um die am Boden Zurückgebliebenen kümmerte, denn sonst gäbe es die MEG möglicherweise gar nicht, zumindest nicht in der heutigen Form.
Über Wilhelm reden heißt deshalb natürlich auch, über die MEG zu reden und über unsere nun etwa 40 Jahre dauernde kollegiale Freundschaft.
Kennen gelernt haben wir uns Anfang der 1970er Jahre während unserer Studienzeit, über ein befreundetes Paar und dann vor allem durch unsere Arbeit auf der Station 21 des psychiatrischen Bezirkskrankenhauses in Haar bei München. Ich stand noch vor dem Vordiplom, machte dort ein Praktikum und war dann ein Jahr lang „Hilfspfleger“. Wilhelm arbeitete an seiner Diplomarbeit, auf dieser Station mit ca 30 z.T. jahrzehntelang hospitalisierten Patientinnen. Seine Aufgabe bestand darin, ein sog. Token Economy-, ein spezielles Verstärkungs-Programm aus der Steinzeit der Verhaltenstherapie zu evaluieren. Ob es nun tatsächlich an der Wirksamkeit dieses Programms gelegen hat oder einfach nur an Wilhelms engagierter freundlicher Arbeit: die Atmosphäre auf dieser geschlossenen Station mit Gittern vor den Fenstern und ohne Griffe an den Türen änderte sich in dieser Zeit beachtlich und damit auch das Verhalten der Patientinnen: Man konnte buchstäblich sehen, wie sie durch die Zuwendung aus Ihren tranceartig erscheinenden Innenwelten auftauchten. Jahre später, etwa 1974/75 sahen wir uns wieder im „Gesundheitspark“ der Volkshochschule München direkt unter der Osttribüne des Olympiastadiums in München, er nun als fertiger Psychologe und Ausbilder in Gesprächspsychotherapie, ich immer noch Student und wieder Praktikant eben dort.
Privat sind wir in dieser Zeit und auch später noch ab und an Ski gefahren, er und sein Freund haben versucht, mir den gerade schicken Jetschwung beizubringen – man fährt gewissermaßen in der Hocke in permanenter Rückenlage, was voll auf die Oberschenkel geht – aber ich war schon damals weder sportlich noch bewegungsbegabt und konnte so mit den beiden Sportskanonen Wilhelm und seinem Freund nicht mithalten. Sehr viel später habe ich nochmals versucht, es Wilhelm auf dem Surfbrett gleichzutun. Aber als er dann auf dem Walchensee mir mit seinem „Sinker“, der bei mir immer nur unterging, davongesurft ist, habe ich auch das bald wieder aufgegeben und mich auf das mehr kontemplative Flaschentauchen verlegt.
Im „Gesundheitspark“ wurde es dann richtig ernst. Wilhelm und ein dritter Kollege, auch Ausbilder in Gesprächspsychotherapie, der bald aber keine Rolle mehr gespielt hat, haben mich als Jüngsten und Unerfahrensten unter ihre Fittiche genommen und 1976 ein „Institut für Integrierte Therapie“, das IIT gegründet. In meinem jugendlichen Hochmut fand ich das damals ganz selbstverständlich, dass ich dabei war, aber heute, lieber Wilhelm, bin ich Dir sehr dankbar für diese Chance, die mein weiteres berufliches Leben geprägt hat.
Zuerst hatten wir mit Hypnose überhaupt nichts im Sinn, sondern waren an anderen Abenteuern interessiert wie z.B. „Selbsterfahrung auf dem Segelschiff“ im Mittelmeer. Und dass es dann zur Gründung der MEG kam, hatte zunächst gar nichts mit mir und alles mit Wilhelm zu tun. Ich sah mich damals eher als eine Art „Fliegender Holländer“ über die Weltmeere segeln, Wilhelm aber war inzwischen bodenständig geworden.
Und so war er es, der John Grinder eingeladen hatte, mit seiner Frau Judith Delozier am 4.-6. März 1977 bei uns am IIT ein Seminar zu halten. Darin ging es hauptsächlich um die Patterns of the hypnotic techniques of Milton H. Erickson. Für den Dezember hatte wir sie wieder eingeladen; statt ihrer kamen am 17.-18.12.1977 aber Stephen Gilligan und Paul Carter, mit denen wir vom IIT aus eine geregelte Weiterbildung in Hypnosetherapie nach Milton H. Erickson begannen. Wilhelm war schon lange mit seiner Claudia zusammen, ich hatte Alida gerade im Spätherbst 1977 kennengelernt und wusste sehr bald, dass ich mit ihr alt werden wollte. So verbrachten wir viel Zeit mit Stephen Gilligan und Paul Carter und ließen uns von diesen beiden überreden, Erickson unbedingt noch zu besuchen – er war schon sehr alt und nicht bei bester Gesundheit. So flogen wir also zu dritt nach Phoenix und nahmen Anfang September 1978 an einem jener Lehrseminare teil, zu denen damals Kolleginnen und Kollegen aus aller Welt pilgerten. Wir waren – auch aus Deutschland – also nicht die Einzigen, die Erickson noch besucht haben.
Ich allein wäre damals wahrscheinlich niemals zu Erickson gefahren, Wilhelm aber war schon mal in den USA gewesen und in seinem Schlepptau und mit Alida an meiner Seite war ich von diesem neuen Abenteuer auch ganz begeistert, u.a. auch deshalb, weil ich in dem selben Jahr ein paar Monate zuvor mit meinem eigenen Schiffsabenteuer endgültig auf Grund gelaufen war. Ganz sicher war es auch mit die ganz besondere – Amerikaner würden jetzt sagen „mesmerizing“ – Atmosphäre bei Erickson, seine besondere Art und die herzliche Gastfreundschaft seiner Frau Elisabeth, dass wir uns trauten, besondere Ideen zu entwickeln. Und so kam es auch zu der Idee der Gründung der MEG in einem Motel in Phoenix, beim Frühstück.
Dem muss man wohl vorausschicken, dass es die MEG möglicherweise auch aus einem anderen Grund nicht gäbe, wenn nämlich unsere heute liebe Schwestergesellschaft, die „Deutsche Gesellschaft für ärztliche Hypnose und autogenes Training (DGÄHAT)“, uns Psychologen damals als ordentliche Mitglieder akzeptiert hätte. Hat sie aber nicht und so sind wir alle Günter Clausens unmittelbarem Vorgänger in der DGÄHAT-Präsidentschaft herzlich dankbar, dass er uns damals abgelehnt hat. Denn wir waren inzwischen von Hypnose und Hypnotherapie so begeistert, dass wir unbedingt eine Gesellschaft haben wollten, in der auch Psychologen einen legitimen Platz haben können. Wir trugen das Erickson am 7. September 1978 in seinem Büro in einem persönlichen Gespräch vor und baten ihn, dafür seinen Namen benutzen zu dürfen. Er gestattete es uns: „You can use my name in any way you find to be appropriate.“
Wilhelm meint ja, dass wir den endgültigen Entschluss zur Gründung der MEG dann erst später gefasst hätten, als wir in den riesigen Moon-Crater in Arizona hinunterstiegen, während ich mich zu erinnern glaube, der Entschluss sei damals schon in Ericksons Arbeitszimmer gefallen – zumindest für mich war das so. Aber das ist vielleicht nur wieder ein Beispiel meiner „einsamen Entschlüsse“, für die mich Alida so häufig schimpft und unter denen auch Wilhelm ab und an zu leiden hatte. Wie man auf dem Bild sieht, hatte ich als Fotograph ja genügend Zeit, Entschlüsse zu fassen, während Alida und Wilhelm voll damit beschäftigt waren, mit Erickson zu reden. Wie dem auch sei, lieber Wilhelm, Moon-Crater oder das Arbeitszimmer von Erickson, der Impact war gewaltig und vor allem nachhaltig. Ob Du dir damals all der Folgen bewusst warst, als Du im Herbst 1976 John Grinder zu uns ins IIT eingeladen hattest?
Was wir damals in Phoenix nicht wussten war, dass Erickson das gleiche oder etwas ähnliches offenbar auch einem anderen deutschen Kollegen in der Zeit davor oder danach versprochen hatte. Wir haben das auf eine merkwürdige Art erfahren und ich erzähle diese Geschichte hier zum ersten Mal öffentlich: Nach unserer Rückkehr haben wir irgendwann im Oktober 1978 zur offiziellen Gründungsversammlung der „Milton Erickson Gesellschaft für klinische Hypnose (M.E.G.)“ auch zwei andere Münchner Kollegen eingeladen, von denen wir wussten, dass sie an Ericksons Arbeit ebenfalls sehr interessiert waren. Einer der beiden kam pünktlich und so warteten wir auf den anderen. Der aber kam und kam nicht. Der eine hingegen meinte, ohne den anderen könnten wir nicht gründen, wir müssten weiter warten. Irgendwann ist mir der Kragen geplatzt, ich drängte darauf, nun endlich zu gründen und dem Abwesenden einen Posten frei zu halten. Hierauf verließ der eine unter Protest das Gründungslokal, ein Zimmer in unserem IIT, damals noch nicht in der Konradstr. 16 sondern im Tal 18. Wir warteten noch eine Weile, der andere kam nicht, und so gründeten wir mit zwei weiteren Personen, die dafür eigentlich gar nicht vorgesehen waren.
Die Gründe sind mir heute noch schleierhaft, aber Wilhelm überließ mir damals den Vorsitz – möglicherweise wegen seines Sports? Ich war naiv genug, mich mit diesem Akt der Gründung in Sicherheit zu wiegen, erledigte die Formalitäten erst einige Wochen danach und lernte ganz plötzlich und sehr unsanft die harte Wirklichkeit kennen – auch Wilhelm fiel aus allen Wolken –, als wir vom Registergericht im Dezember 1978 die Nachricht bekamen, dass unsere Gründung so wie vorgesehen nicht möglich sei. Auf dem Registergericht erfuhr ich dann, dass es schon eine Gesellschaft ähnlichen Namens gebe, nämlich eine „Milton H. Erickson Gesellschaft für Hypnotherapie“. Ich weiß heute nicht mehr – sehe mich aber immer noch am Schalter stehen und fühle immer noch die Schwäche in meinen Beinen –, mit welchen Argumenten es mir schließlich gelang, die Registergerichtsbeamtin davon zu überzeugen, dass zwischen „klinischer Hypnose“ und „Hypnotherapie“ ein so großer Unterschied bestehe, dass die beiden Gesellschaften in professionellen Kreisen überhaupt nicht verwechselt werden könnten. Die Beamtin glaubte mir und nahm die Eintragung vor. Ich bat um Einsicht in die Akten der anderen Gesellschaft: Jene beiden anderen Kollegen, die mit uns mitgründen sollten, haben unmittelbar nach unserem Gründungstreffen ihre eigene Gesellschaft gegründet und diese auch unmittelbar danach registrieren lassen. Diese andere Gesellschaft trat jedoch nie in Erscheinung. Im Gegenteil haben diese beiden Kollegen auf unserem „Ersten deutschsprachigen Kongress für Ericksonsche Hypnose und Psychotherapie“ 1984 in München aktiv mitgewirkt und ihre Gesellschaft wieder löschen lassen. Soviel zu einer der merkwürdigen Geschichten aus den Anfängen der MEG.
1984, noch auf und vor allem nach diesem bemerkenswerten ersten Erickson-Kongress in Deutschland mit gerade mal 400 Teilnehmern – so viele hatte wir uns damals aber kaum erträumt! –, kam es zu weitreichenden Veränderungen in der MEG: ich trat als Gründungsvorsitzender zurück und Dirk Revenstorf übernahm den Vorsitz; Bernhard Trenkle und Gunther Schmidt kamen in den Vorstand. Ich glaube, das war alles zum Besten der MEG, auch dass Wilhelm noch sehr lange aktiv im MEG-Vorstand blieb.
Wilhelm hat die MEG also nicht nur mitbegründet, er hat sie, wie ich darzustellen versucht habe, eigentlich initiiert. Und er war von Anfang an und lange Jahre danach am Aufbau der MEG verantwortlich und ehrenamtlich beteiligt. So ist es nur recht zu sagen: Wilhelm Gerl hat sich für die Hypnose und Hypnotherapie allgemein verdient gemacht – ich verweise beispielshaft nur auf sein jüngstes Buch über das von ihm entwickelte hypnotherapeutische Raucherentwöhnungsprogramm SMOKEX. Und Wilhelm Gerl hat sich speziell für unsere Gesellschaft, die MEG, in außerordentlicher Weise verdient gemacht. Als persönliche Anmerkung will ich noch hinzufügen, dass ich all die beruflichen Abenteuer, die ich auch nach 1984 noch unternommen habe, nicht hätte durchführen können, wenn ich Wilhelm all die Jahre nicht als treuen und konstanten Partner und Freund an meiner Seite und oft genug als Stütze im Rücken gehabt hätte. Herzlichen Dank dafür, lieber Wilhelm. Wenn es möglich wäre, wäre ich Dir gerne eine gute Stütze für Deinen Rücken heute.

Grünwald, im Januar 2013 Burkhard Peter